Karoline Perin-Gradenstein (1806-1888)               

Karoline Perin-Gradenstein wird als Tochter des Freiherrn von Pasqualti am 12. Februar 1806 in Wien geboren. Mit 24 heiratet sie standesgemäß den Freiherrn von Perin-Gradenstein. Nach dem Tod ihres Mannes verliebt sie sich in Alfred Julius Becher, einen der führenden Demokraten der 1848er-Bewegung und Herausgeber der Zeitung „Der Radikale“. Ihr politisches Engagement und ihr Zusammenleben ohne kirchliche und staatliche Legitimation führen zu diffamierenden Kommentaren.

Im Revolutionsjahr 1848 Karoline setzt sie sich neben demokratiepolitischen Anliegen besonders für die Frauenemanzipation ein. Sie wird Präsidentin des Wiener demokratischen Frauenvereins, gegründet am 28. August 1848.
Der Verein existier zwar nur knapp zwei Monate – bis zur Niederschlagung der Revolution am 31. Oktober – er nimmt aber in der österreichischen Geschichte eine herausragende Rolle ein, da er der erste Frauenverein in Österreich ist, der explizit politische – und nicht nur „mildtätige“ – Anliegen verfolgt.

Als die habsburgischen Truppen Wien am 31. Oktober besetzt und die Demokratiebewegung niederschlagen, wird nach Karoline Perin-Gradenstein gefahndet. Ihr Versteck wird verraten und sie kommt am 4. November in Haft. In Die Geschichte der Oktober-Revolution in Wien, ihre Ursachen und nächsten Folgen (Leipzig 1847:327 ) berichtet Carl Grüner von Misshandlungen an Perin während dieser Haft.
Nach 23 Tagen Gefangenschaft wird sie für psychisch krank erklärt, ihr Vermögen konfisziert und ihr das Sorgerecht für ihre drei Kinder aus der Ehe mit ihrem verstorbenen Ehemann entzogen.

Danach emigriert Sie im April 1849 nach München. Dort verfasste sie ihre Memoiren, in denen sie sich von ihrem Engagement im Oktober 1848 distanzierte. Das ermöglicht ihre Rückkehr nach Wien. Dort stirbt sie am 10. Dezember 1888.

Am 5. Juni 2018 beschließt der Wiener Gemeinderat die Benennung einer Verkehrsfläche im Gebiet Seestadt Aspern, in Karoline-Perin-Gasse.

Literatur:

Ilse Korotin [Hg.], Lexikon österreichischer Frauen. Band 3. Wien 2016.
Beatrice Weiss, Demokratische Frauenvereine im Revolutionsjahr 1848. Ein Vergleich zwischen Wien und Berlin unter besonderer Berücksichtigung der Präsidentin Karoline von Perin-Gradenstein. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 2014.
Gabriella Hauch, Frauen bewegen Politik. Österreich 1848–1938. Innsbruck 2009.
Ebd., Frau Biedermeier auf den Barrikaden. Frauenleben in der Revolution 1848, Wien 1990.
Elke Krasny, Stadt und Frauen. Eine andere Topographie von Wien. Wien 2008.
Susanne Feigl, Politikerinnen in Wien. 1848–2000. Biographien. Wien: Frauenbüro Wien 2000.

 

weiterführende Informationen:

Ausstellungsinfo   Plan der Barrikaden