Cäsar Wenzel Messenhauser

Der am 4. Jänner 1811 im mährischen Proßnitz/Prostìov geborene Sohn eines Bataillonstambours und Absolvent der Militärakademie Wiener Neustadt wird mit seinem Regiment, den Hoch- und Deutschmeistern, 1846 nach Galizien zur Bekämpfung der dortigen Adelserhebung (Schlachzizen-Aufstand) abkommandiert. Der März 1848 findet ihn in Lemberg stationiert, wo er (allerdings vergeblich) versucht, eine bürgerlich-revolutionäre Nationalgarde zu organisieren; ein Versuch, der in der Versetzung nach Wien, drei Tagen Arrest im sog. Stabstockhaus und dem Austritt aus dem Militärdienst endet. Ein lebhaftes, am Werk Lord Byrons orientiertes literarisches und historisch-politisches Interesse hatte die Offizierskarriere des anti-habsburgischen und betont deutschnationalen Republikaners stets begleitet. So verfasste er eine (niemals veröffentlichte) zehnbändige Geschichte des Altertums, trat 1841 mit dem Freiheitsdrama Demosthenes hervor und schaffte es 1843 mit einer durchwegs erfolglosen Inszenierung eines Lustspiels (Sieben Uhr) bis an das Burgtheater.

Am 12. Oktober 1848 wird dem Literaten und ehemaligen Offizier Messenhauser – ohne dass er auch nur einigermaßen Ambitionen in diese Richtung entwickelt hätte – vom Wiener Gemeinderat die Befehlsgewalt über die ca. 15.000 Mann zählende Nationalgarde, zu dieser Zeit eine Art kommunale Ordnungsmacht, übertragen. Der Zentrist und Kompromisskandidat, dessen ganzes Streben nach einem gesellschaftlich und politisch vertretbaren Ausgleich geht, nimmt an, umgibt sich mit einer Art Generalstab und rüstet Wien zur Verteidigung. Doch er ist der Situation offensichtlich nicht gewachsen, man wirft ihm fortgesetztes Zögern, mangelnde Durchschlagskraft, ja Willenlosigkeit vor, und als seine wichtigste Tat wird die Gewinnung des polnischen Berufsrevolutionärs General Bem, den er von Lemberger Tagen her kennt, eingestuft – ein Militär, so das Resümee Winarskis, der in hohem Maße all jene Eigenschaften in sich vereinigte, die Messenhauser eben gefehlt hätten. Am 29. Oktober, nach dem Bombardement durch Windischgrätz und den ersten schweren Kämpfen in den Vororten, bietet der Kommandant der Nationalgarde die Kapitulation und Übergabe der Stadt an die kaiserliche Belagerungsarmee an; die konkreter werdenden Gerüchte über das Herannahen eines ungarischen Entsatzes allerdings veranlassen ihn, wenn auch widerstrebend, den möglichen, wahrscheinlich aber unumgänglichen Untergang im Straßenkampf der bedingungslosen Unterwerfung vorzuziehen.

In der Wiener Zeitung vom 5. November wird die Ächtung Messenhausers verkündet, und ausnahmslos jeder, der ihm Schutz oder Unterschlupf gewähren sollte, mit dem Standrecht bedroht. Er stellt sich (nach brieflicher Ankündigung an den neuen Stadtkommandanten, Generalmajor Cordon) am Tag danach selbst, und wird im Stabstockhaus, das wenige Monate zuvor schon einmal sein Arrest gewesen war, "in Eisen gelegt". Nur fünf Tage später ist das kriegsgerichtliche Verfahren mit dem einstimmig getroffenen, durch den Strang zu vollziehenden Todesurteil abgeschlossen, nicht zuletzt wegen des Vorwurfs, die angebotene Kapitulation gebrochen zu haben. Der als Abgesandter aller in Wien anwesenden Reichstagsabgeordneten an den kaiserlichen Hof nach Olmütz entsandte Priester Giovanni Prato, Deputierter zur Nationalversammlung in Frankfurt und für den 16. November zur Audienz zugelassen, bemüht sich vergeblich um einen allerhöchsten Gnadenakt: Messenhauser war in den frühen Morgenstunden eben dieses Tages an der Bastei, im Stadtgraben neben dem Neutor (in etwa der Standort des heutigen Ringturms), bereits exekutiert worden. In Ermangelung eines Henkers wurde die Hinrichtung "durch Pulver und Blei" vollzogen. Dem letzten Wunsch des Delinquenten, als gewesener Offizier seine Erschießung selbst kommandieren zu dürfen, wurde entsprochen. Postume Versuche, ihn zum Märtyrer der Burschenschaften hochzustilisieren, verliefen, mangels historischen Realitätsbezugs, im Sand.
 

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