Theodor von Latour
Der am 15. Juni 1780 in Linz geborene, an der Theresianischen Militärakademie und an der Wiener Ingenieur-Akademie ausgebildete Theodor Graf Baillet de Latour durchlief eine spektakuläre militärische Karriere. Der letzte Präsident des Hofkriegsrates im Jahre 1848 war 1829 Leiter der österreichischen Militärkommission bei der Frankfurter Bundesversammlung geworden, avancierte 1832 zum Feldmarschallleutnant und 1846 zum Feldzeugmeister. Ende April 1848 wird er als Exponent der äußersten Rechten Kriegsminister im Kabinett Pillersdorf, in dem er sich als Sachwalter und verlängerter Arm des kaiserlichen Hofes zu positionieren suchte. Seine Bemühungen liefen in Richtung einer gänzlichen Herauslösung des Militärs aus der politischen Verwaltung. Als am 3. Oktober 1848 per kaiserlichem Dekret der ungarische Reichstag aufgelöst wird, zögert Latour keinen Augenblick, zur Unterstützung der Kriegsanstrengungen des kroatischen Ban Jelačić ein Bataillon Richter-Grenadiere aus Wien abzukommandieren. Er überschreitet damit seine verfassungsmäßigen Befugnisse, das Bataillon meutert vor seinem Abmarsch aus der Gumpendorfer Kaserne, eine erregte Volksmenge stürmt am 6. Oktober das Kriegsministerium Am Hof, der Kriegsminister wird Opfer der Lynchjustiz und an einer Straßenlaterne aufgehängt. Der kaiserliche Hof sieht sich erneut zur Flucht gezwungen, die Wiener Revolution war in ihr alles entscheidendes Stadium getreten.
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